Krümel's grosse Reise

Der 7. Geburtstag oder stressfrei feiern in Zeiten von Corona

Unser Krümel hatte am Mittwoch Geburtstag und ist sieben Jahre alt geworden. Ursprünglich war geplant in der Schule zu feiern, dann zu Hause mit Verwandten und ein paar Wochen später (nach unserer Südafrika-Reise ) auch mit Kindern. Dank Corona und Kontaktverbot konnten wir das vergessen. Wie wir unserem Sohn und uns diesen Ehrentag trotzdem so schön wie möglich und das auch noch stressfreii gestaltet haben, berichten wir heute. Vielleicht ist ja noch ein Tipp für den ein oder anderen dabei.

In die Vorbereitungen mit einbeziehen (1) : die Geburtstagskrone

Im Kindergarten durfte sich das Geburstagskind immer eine Krone basteln. In der Schule gibt es eine Tortenkrone aus Stoff, die von Jubilar zur Jubilar wandert. Um die Tradition beizubehalten, mache ich mich also mit dem Krümel daran eine Krone aus buntem Tonkarton zu basteln. Er wünscht sich eine blaue. Aus Ermangelung an großen Bögen, nehmen wir einfach hell-und dunkelblauen Karton und tackern diesen zusammen. Und das ist gar nicht so schlecht: die zweifarbige Krone macht echt etwas her. Mit Glitzerkleber malt der Junior eine 7 auf den vorderen Teil, der Rest wird mit Aufklebern verziert. Tätää! Fertig ist die Geburtstagskrone!

Die Geburtstagskrone

In die Vorbereitungen mit einbeziehen (2): der Geburtstagskuchen

Normalerweise backe ich am Vorabend des Geburtstages, wenn der Krümel im Bett ist, eine Überraschungstorte. Dieses Mal machen wir es anders. Er diktiert mir den Einkaufszettel bzw. gibt die Bestellung auf. Es soll ein Zitronenkuchen mit Schokotropfen, dickem, weißen Zuckerguss und Gummibärchen werden. Das alles soll in die Jeep-Kuchenform, die der Krümel-Papa früher schon hatte. Gemacht, getan. Ich habe alles besorgt, es kann losgehen. Ich lese dem Krümel Stück für Stück die Anweisungen aus dem Rezept vor und er befolgt diese. Er wiegt und misst ab, rührt und probiert, befüllt die Form. So hat er den Kuchen am Ende quasie alleine gebacken und das alleine macht ihn schon zu etwas ganz Besonderem. Dann heißt es warten. Wir rühren den Zuckerguss an und dann beginnt für ihn der spannendste Teil: das Verzieren. Der Kuchen hat schwer zu tragen an dem wirklich dicken Zitronen-Zucker-Überzug, bunten Zuckerstreuseln und den Fruchtgummis. Doch ich blicke in ein vom vielen Naschen verschmiertes und glückliches Gesicht und das ist die Hauptsache. So ein einfacher und herrlich bunter Geburtstagskuchen ist doch irgendwie immer noch Klassen besser als eine zeitintensive akurate Mode-bzw. Mottotorte, denke ich mir hinterher.

Für Überraschungen sorgen (1): Geburtstagspost

Als kleiner Ausgleich dafür, dass er weder die Kinder aus seiner Klasse noch andere Freunde sehen kann, habe ich mir etwas überlegt. Und zwar habe ich im Vorhinein im Klassenchat und bei Bekannten und Freunden nachgefragt, wer vielleicht Lust hat dem Krümel Geburtstagsgrüße zu senden. Das Ergebnis ist umwerfend: schon Tage vorher trudeln hier Briefe und Umschläge, per Post oder persönlich eingeworfen und alle adressiert an den Krümel ein. Und das geht noch zwei Tage so weiter. Es sind selbstgebastelte Karten, gemalte Bilder und kleine Aufmerksamkeiten dabei – ich bin wirklich sehr gerührt. Und der Krümel sowieso. So viel Post hat er noch nie gehabt.

Der Postkasten des Spielhauses quillt schon über

Für Überraschungen sorgen (2): Videobotschaften

Der Geburtstagskaffee mit der Verwandschaft fällt natürlich auch ins Wasser. Daher richten wir einen Geburtstagsgruppenchat ein. Hier laden Omas und Opas, Tanten und Onkel Videos hoch. Und sie sind wirklich kreativ: wir haben a capella Ständchen, eines mit Spieluhrmusik untermalt, ein weiteres Ständchen begleitet vom Akkordeon, Gedichte, Humor, Annimationen – von allem ist etwas dabei. Der Krümel hat viel zu lachen und freut sich riesig, auch, wenn er schon schlucken muss. Die Nachrichten sind aber auch rührend. Als eine Art Gegenleistung laden wir widerum Videos und Fotos von unserem Tagesablauf hoch. Auf diese Weise sind wir doch alle irgendwie zusammen, wenn auch nur virtuell.

Für Überraschungen sorgen (3): Pakete vor der Tür abliefern

Die Großeltern, die etwas entfernter wohnen, schicken per Post ein buntgemischtes Überraschungs-Paket. Geschenke, selbstgebackene Kekse, Luftschlangen und jede Menge Luftballons warten darin. Die Großtante liefert ihr Geschenk einen Abend zuvor ab und bekommt als Dankeschön schon einmal etwas von einem zweiten Geburtstagskuchen (Obstboden) mit auf den Weg. Die Großeltern aus der Nähe stellen ihr Paket am Geburtstag selbst heimlich vor der Haustür ab (und bekommen auch Kuchen). Kaum sind sie um die Ecke verschwunden, rufen sie den Krümel an und machen ihn auf die Überraschung vor der Tür aufmerksam.

Kontaktsperre ist Kontaktsperre – auch am Geburtstag?

So schwer es für alle Beteiligten ist, auch am Ehrentag vom Krümel wollen wir keine Ausnahme machen. Von anderen habe ich gehört, dass die Großeltern ihre Enkel am Geburtstag zumindest im Freien getroffen und etwas mit ihnen gefeiert haben – nachvollziehbar, aber völlig unkonsequent und unvorsichtig. So schwer es fällt, wir machen das letztendlich doch nur aus Vorsicht, nicht zuletzt zum Schutz der geliebten (Groß)Eltern. Dann gab es Anfragen von engen Freunden, ob sie nicht mit einem kleinen Geschenk und einer Kerze in der Hand vorbeikommen könnten. Sie würden dann klingeln und in gebührendem Abstand zur Tür ein Geburtstagslied für den Krümel singen. Eine ganz hervorragende Idee, wirklich, aber auch die haben wir nach reiflicher Überlegung abgelehnt. Der Krümel lebte zu diesem Zeitpunkt schon mehr als zwei Wochen ziemlich isoliert. Wir hatten die Befürchtung, dass er, wenn seine Freunde ihm nun so nah kämen und doch nicht hinein dürften, erst recht trübsinnig wird. Ist das richtig oder nicht? Oder würde die Freude sie zu sehen doch überwiegen? Letztendlich haben wir ihn selbst entscheiden lassen, ohne ihm zu sagen, um wen es konkret geht. Und zwar habe ich ihm das ganze Szenario, verpackt in eine Geschichte über ein Mädchen, das zur Corona Zeit Geburtstag hatte, erzählt. Als er hörte, dass ihre Freundinnen am Gartenzaun standen und ein Ständchen sangen, aber nicht reinkommen durften, sagte er wie aus der Pistole geschossen: das ist aber doof, da war sie bestimmt noch viel trauriger als vorher.

Okay, das war uns Antwort genug und wir wussten, wir lagen nicht verkehrt.

7 Jahre alt wird er schon

Der Geburtstag vom Krümel

Ich habe mir den Tag frei genommen. Der Krümel-Papa hat im Homeoffice gearbeitet, aber nur bis mittags. Morgens haben wir zusammen gefrühstückt und Geschenke ausgepackt. Der Krümel brauchte an diesem Tag keine Schulaufgaben machen. Wir haben die neuen Bücher gelesen, eines der neuen Puzzles ausprobiert. Als er das Fußballtrikot-Geschenk vor der Tür fand, hat er es gleich angezogen und ungeachtet der kalten 4 Grad draußen musste ich zum Fußballspielen raus. Mittags haben wir uns den Geburtstagskuchen schmecken lassen. Als es nachmittags wärmer war – und genau genommen konnten wir uns über tollsten Sonnenschein freuen – haben wir auch das Paket der Paten herausgerückt. Damit ging ein weiterer inniger Wunsch in Erfüllung: Pfeil und Bogen samt Zielscheibe. Ein paar Minuten später fanden wir uns draußen im Garten wieder und übten uns als Robin Hoods. Abends gab es dann auf Bestellung des Krümels Süßkartoffelpommes und selbstgemachte knusprige Chicken-Nuggets. Und zum krönenenden Abschluss haben wir dann einen Heimkino-Abend mit selbsgemachter Zitronenlimo (wir hatten noch Zitronen vom Kuchenbacken übrig) und Chips veranstaltet.

Unser Krümel wird zum Robin Hood

Fazit

Dieser Geburtstag war so ganz anders, als die bisherigen. Anders schön. Es war ein schöner und vor allem stressfreier Tag. Abends bringen wir einen glücklichen Krümel ins Bett. Wir lassen gemeinsam den Tag, seinen Ehrentag, Revue passieren, schauen uns noch einmal all die Glückwunschkarten-und Bilder an und er zählt seine Geschenke auf. Als ich ihn frage, was ihm heute am besten gefallen hat, sagt er: alles. Und das glaube ich sofort. Wir haben einen richtig schönen Tag gehabt und das ist die Hauptsache. Und alles andere, was eben doch dazu gehört (Kindergeburtstag und Kaffee und Kuchen mit den Verwandten) ist natürlich nicht aufgehoben, sondern nur auf unbestimmte Zeit verschoben. Aus der Sicht des Krümels ist das übrigens ein Gewinn. So kann er seinen Geburtstag (noch) öfter feiern als sonst.

Birgitta

6 Kommentare

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  • Es ist schön zu lesen, das der Geburtstag von unserem Enkel Fynn von so gutem Erfolg gekrönt ist. Auch uns hat es Freude bereitet, sich Gedanken zu machen, wie wir „seinen Tag“ mit gestalten können. Und das es dann auch noch so toll geworden ist, spitzenmäßig. Alles andere wird hoffentlich in naher Zukunft nachgeholt.
    Du, Birgitta, hast dir auch viel Mühe gemacht und alles wieder toll zu Papier gebracht. Danke schön!

  • Ich freue mich so sehr dieses zu lesen und bin ganz gerührt.
    Gefreut habe ich mich auch, dass ich durch die gegründete Gruppe irgendwie doch dabei sein konnte.
    Aber eins möchte hier mal besonders hervor heben. Unter den momentanen Bedingungen einen so schönen Geburtstag feiern zu können bedeutet auch, kreative und motivierte Eltern zu haben, denen es ganz besonders wichtig ist ihrem Krümel einen wunderschönen Tag zu organisieren. Ein Hoch auf die Eltern!

  • Hach ja, man macht halt das beste draus. Unsere Jüngste hatte das Glück, eine Woche vor dem großen Lockdown noch zu feiern. Ich selbst durfte jetzt auch einen Corona-Geburtstag genießen, und das hab ich sogar gemacht 🙂

    Herzlichen Glückwunsch nochmal an den Siebenjährigen, und großer Neid auf den Bogen! 😉

    LG
    Jenny

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