Krümel's grosse Reise

Schweden: Eine Elchsafari für die ganze Familie

Während unseres Roadtrips in Schweden haben wir abends desöfteren gemeinsam ein Spiel gespielt. Diesmal ist es ein besonderes, und zwar ein Versteckspiel mit Elchen. Sie verstecken sich und wir suchen sie. In der Provinz Värmland leben derzeit rund 30.000 dieser stolzen Tiere. Seid ihr gespannt auf den Ausgang des Spiels? Dann lest gerne weiter und erfahrt alles über unsere Elchsafari.

Auf zur Huskyfarm Björkilsätern

Wir fahren nach Sunnemo und dann immer weiter in den Wald hinein. Irgendwann taucht auf der linken Seite auf dem Boden ein kleines Hinweisschild auf. Huskyfarm steht darauf. Wir folgen ihm. Ein ganzes Stück weiter folgt ein weiteres. Beinahe hätten wir es übersehen. Und dann stehen wir vor der kleinen Farm von Wolfgang und seiner Frau. Wir befinden uns nun etwa 20 Kilometer südlich von Hagfors. Schon werden wir von aufgeregtem Hundegebell begrüßt. Versteckt hinter Bäumen und nicht direkt einsehbar vom Weg aus stehen drei Gebäude. Sie sind in dem für Schweden typischen kräftigem rot gestrichen. Dem Wohnhaus gegenüber stehen die Hundezwinger. Hunde? Ihr wolltet doch Elche sehen, denkt ihr euch bestimmt. Ja, das ist richtig. Dazu kommen wir gleich.

Am Eingang zu Wolfgangs Elchfarm

Wolfgang , die Huskys und die Elche

Ursprünglich kommen Wolfgang und seine Frau Simone aus Deutschland, leben nun aber schon seit einem Vierteljahrhundert ihren Traum in Schweden. Sie ist als Krankenschwester tätig, er bietet im Sommer Elchsafaris und im Winter bisher Huskytouren. Mittlerweile gibt es aber nur noch sechs Hunde und diese befinden sich alle im Rentenalter. Sie haben ihren Ruhestand wohl verdient und müssen zukünftig nicht mehr arbeiten. Normalerweise sei er im Sommer jeden Abend weit im Voraus ausgebucht, erzählt Wolfang uns. Im Corona Jahr 2020 ist alles anders. Wir lernen natürlich zunächst die Hunde kennen, jeden bei seinem Namen. Dann geht es los.

Das Versteckspiel beginnt

Wir haben 18:30 Uhr. Das ist die beste Zeit um Elche zu sichten. Die Hirschart ist nämlich nachtaktiv und macht sich nun langsam auf den Weg um Futter zu suchen. Bestückt mit Ferngläsern, Kamera und Proviant steigen wir in Wolfgangs Geländewagen. Bevor er den Wagen startet, wolle er uns noch vorwarnen, sagt er. Es könne passieren, dass wir an diesem Abend keinen einzigen Elch zu Gesicht bekämen, schließlich seien wir nicht im Zoo. Wir sollten dann nicht allzu traurig sein. Außerdem würden uns nach vier Stunden intensivem Suchen mit Sicherheit die Augen brennen. (Normalerweise bietet Wolfgang die Tour erst für Kinder ab 10 Jahren an, heute vertraut er auf unsere elterliche Einschätzung bzgl. der Tauglichkeit des Krümels). Was die Einschätzung angeht, können wir schon einmal verraten, haben wir uns nicht getäuscht. Der Krümel entpuppt sich als sehr guter Elch-Detektiv und hat eine Menge Spaß. Wolfgang versteht es aber auch sehr gut ihn einzubeziehen, dem Krümel ist keine Minute langweilig. Uns geht es übrigens nicht anders. Von der ersten Minute an hängen wir förmlich an den Lippen des erfahrenen Elch-Kenners.

Im Geländewagen fahren wir gemütlich durch den Wald

Unterricht im Wald

In den folgenden Stunden sehen wir zwar zunächst kein Tier, dafür lernen wir aber unglaublich viel. Ein Unterrichtstag mit Wolfgang sollte in jeden Lehrplan aufgenommen werden. Er versteht es sowohl auf seinen jungen als auch auf seine älteren Gäste einzugehen. Humorvoll und unaufdringlich gibt er uns quasi ganz nebenbei sein Wissen weiter. Wir fahren mit etwa 30 km/h über Schotterstraßen durch den Wald. Immer wieder steigen wir aus und begeben uns als Detektive auf die Spurensuche. Elche sind Vegetarier. Die deutlichste Spur, die sie hinterlassen sind junge, abgeknabberte Triebe. Elche sind, ebenso wie Kühe, Wiederkäuer. Ansonsten könnten sie Nahrung wie Äste überhaupt nicht verdauen. Im Winter ernähren sich Elche überwiegend von Flechten. Die Hirschart ist ein Einzelgänger. Die Elchkühe gebären im Mai ein bis zwei Junge, mit diesen leben sie ein Jahr zusammen. Kurz vor der Geburt des nächsten Nachwuchses trennt sich die Mutter dann von ihren Kindern.

Abenddämmerung im Wald in Värmland

Schweden und die Trolle

Während wir gemütlich durch den Wald zockeln, an Lichtungen und Seen ganz besonders aufmerksam sind, lernen wir von Wolfgang etwas über die schwedischen Hochmoore, die durch bunte Flatterbänder markierten Jagdgebiete und eine sehr vorausschauende schwedische Papierfabrik. Neben Fakten versteht er sich aber auch aufs Geschichtenerzählen und so kommen wir zwangsläufig irgendwann auf die Trolle. Klar, die sind ja bekanntermaßen in Schwedens Wäldern zu Hause oder etwa nicht? Bald sind wir mitten drin in der Trollsaga – neben der Geschichte bietet Wolfgang uns aber auch immer noch eine Alternative an – mehr möchte ich nicht verraten.

Trolle: wahr oder falsch?

Trolle sind verschieden große Wesen mit dicken länglichen Nasen und langen borstigen Haaren. Sie sind sehr gesellige und feierfreudige Wesen. Trolle sind lichtscheu und kommen erst am Abend aus ihren Höhlen. Finden sie vor Sonnenaufgang nicht rechtzeitig zu ihrer Höhle zurück, versteinern sie. Das erklärt dann auch die vielen Felsen, die im Wald herumliegen. Die Steine mit den roten Farbmarkierungen lassen die Trolle ihre Goldschätze, die sie gerne darunter verstecken, wiederfinden. Übrigens: wenn man es mit bloße Händen schafft einen solchen Stein hochzuheben, ist der Schatz deiner! Und jetzt fragt euch mal, an wie vielen Steinen der Krümel sich im Folgenden wohl zu schaffen gemacht hat? Die blauen Schilder mit weißem M drauf, die überall im Wald verteilt stehen, sind Hinweisschilder für die Metro-Stationen der Trolle. Ihr erinnert euch? Sie meiden Helligkeit, daher die unterirdische Fortbewegungsmöglichkeit.

Elche in Sicht

Und dann ist es soweit. Wir haben unsere Pause auf einem idyllischen Campingplatz schon lange hinter uns und glauben kaum noch daran Elche zu sichten. Da meint der Krümel-Papa aus dem Augenwinkel plötzlich etwas gesehen zu haben. Wolfgang setzt zurück und bleibt stehen. Und wirklich, fast verdeckt durch einen Felsen und vom Fell her so gut getarnt in der beginnenden Dunkelheit, stehen zwei Tiere. Bei genauerem Hinsehen erkennen wir, dass es sich um eine Elchkuh mit ihrem Jungen handelt. Beide grasen friedlich auf der Lichtung. Sie sind vielleicht vierzig Meter von uns entfernt. Zwischendurch schauen sie immer wieder aufmerksam in unsere Richtung. Von Wolfgang wissen wir, dass sie nur schwarz-weiß sehen und vor Autos keine Angst haben. Würden wir allerdings aussteigen, könnten sie uns riechen und würden automatisch flüchten. Was für große, anmutige und stolze Tiere. Wir freuen uns riesig, dass wir als Suchende doch nicht leer ausgegangen sind und machen ein paar schöne Aufnahmen der beiden Tiere.

Unser Fazit

Um in unserem Spiel zu bleiben, es ist einfach nicht machbar gegen 30.000 Elche anzukommen, aber immerhin:wir haben nicht haushoch verloren. Genau genommen haben wir sogar nur gewonnen: die Bekanntschaft mit einem sehr interessanten und kompetenten Elch-Kenner, sehr viel Wissen, Erfahrungen und Bilder, die uns immer im Kopf bleiben werden. Es war ein unvergesslicher Abend für uns und wir können nur allen, die sich um Värmland herum aufhalten, empfehlen eine Tour mit Wolfgang zu machen (Kontaktdaten geben wir auf Anfrage weiter). Dieser Abend war einfach unbezahlbar für uns.

Für uns ist nach der Elchsafari klar, dass wir keinen Elchpark besuchen werden. Wer den Artikel aufmerksam gelesen hat, weiß, dass die Gründe auf der Hand liegen oder etwa nicht?

Bei diesem Beitrag handelt es sich um unbezahlte Werbung, die wir aus Überzeugung und vor Begeisterung machen.

Birgitta

1 Kommentar

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  • Das klingt nach einem echt tollen Erlebnis! Elche schauen ist wirklich sehr spannend, habe dies selbst in den USA (Grand Teton) erlebt und war begeistert. Da hattet ihr richtig Glück mit einer Elchkuh und Jungem!

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