Krümel's grosse Reise

Zeitzeugen der Dinosaurier an der Kauri-Coast

Koutu Boulders

Spätnachmittags, als der Regen etwas nachgelassen hat, machen wir uns auf den Weg zu den Koutu Boulders. Das sind riesige Steinkugeln im Meer, zu denen sich nur wenige Touristen verirren. Es wird an der Straße auch nicht großartig darauf hingewiesen. Tatsächlich steht auf dem kleinen Parkplatz auch nur ein anderes Wohnmobil. Dessen Insassen kommen gerade zurück und winken ab. Es gäbe nichts zu sehen, da Flut sei. Und schon brausen sie wieder ab. Wir gehen trotzdem bis zum Strand herunter. Sie haben leider recht, aber so schnell geben wir nicht auf. Ein Schild verrät, dass es ein Stück weiter noch mehr Kugeln geben soll. Also los! Wir parken auf der grünen Wiese, hier ist wirklich niemand. Ein dicht mit Gras zugewucherter Weg führt nach unten zum Wasser. Dem Krümel geht das Gras bis zum Kopf, er weigert sich irgendwann weiterzugehen. Der Krümel-Papa schlägt vor sich alleine durchzuschlagen und Bescheid zu geben, sollte er auf etwas stoßen. Während wir warten, fängt es mal wieder an zu tröpfeln. Nach einigen Minuten kommt unser Mann mit Foto im Gepäck zurück. Eine Steinkugel, halb vom Wasser verdeckt, hat er entdeckt. Ich bin ziemlich enttäuscht. Ich hatte mich aus mir selbst unbekannten Gründen riesig auf diese Steinwunder gefreut. Aber Stunden auf Ebbe warten …?

Koutu Mangerod Picnic Area

Zum Weiterfahren haben wir alle drei keine Lust. Also fahren wir auf die gegenüberliegende Landzunge (wir hätten also theoretisch Sicht auf die Steine, hätten wir eine Kamera mit mehr Zoom oder ein stärkeres Fernglas). Hier gibt es die Koutu Mangerod Picnic Area, hat uns die Camper Mate App verraten. Einheimische stellen hier eine Wiese, die neben dem von ihnen bewohnten Grundstück liegt, für 10 NZ$ / Nacht für Camper zur Verfügung. Zunächst sind wir ganz alleine und suchen uns natürlich den besten Platz aus. Was für ein wunderbares Plätzchen. Das hellt die Stimmung wieder auf und wenn jetzt noch die Wolken auflockern würden….

Koutu Boulders 2

Als wir am nächsten Morgen abfahrtbereit sind, ist doch tatsächlich Ebbe. Also, nichts wie los und noch einmal rüber zu den Koutu Boulders. Es hat etwas von einer Wattwanderung, wir wandern über  matschigen, morastigen Boden und stehen schon bald neben den riesigen und beeindruckenden Kugeln. Oder sollte ich lieber sagen: versteinerte Dinoeier? Als solche habe ich nämlich versucht sie dem Krümel zu verkaufen. Er hat es mir aber nicht abgenommen, obwohl wir kurz darauf an einem Steingebilde vorbei kommen, dass anscheinend einen Fußabdruck der früheren Giganten trägt.
Wie genau diese Kugeln, die das Meer irgendwann aus dem Boden löst, entstanden sind,  ist nicht ganz klar. Es hat sie aber schon zur Zeit der Dinosaurier gegeben, sie sind kalkhaltig und sollen sich schichtartig um Fossilien herum bilden.
Wir treffen auf einen Kiwi, der gerade mit einer deutschen Familie unterwegs ist. Er versichert uns, dass es noch gute drei Stunden bis zur Flut dauern wird und wir ruhig noch weiter gehen sollten. Weiter hinten gäbe es ein zehnfach so großes Gebilde. Das kann ich kaum glauben, waren diese Kugeln doch schon riesig. Es macht Spaß über den ansonsten menschenleeren Strand zu gehen, nach weiteren Kugeln Ausschau zu halten, Muscheln und kleine Mangroven-Pflänzchen zu entdecken.  Wir haben übrigens Glück: es regnet erst wieder, als wir mit unseren braungefärbten und schlammigen Schuhen wieder am Wohnmobil sind.  Meine schönen neuen Turnschuhe, ob die jemals wieder sauber werden? Doch gelohnt hat es sich so oder so: Wow, das war wirklich mal ein unbeaten track!

Waipoua Forest

Und dann fahren wir an der Kauri Küste entlang – die letzten Kapitel von Bilbo und seinen Freunden hörend – geradewegs auf ein sehr touristisches, aber dadurch nicht weniger schönes, Ziel zu. Die gigantischen und leider vom Aussterben bedrohten, endemischen Baumriesen, kennen wir zwar schon, diesmal wollen wir aber den ältesten aller Kauris besuchen. Tane Mahuta heißt er und wird auch Herr des Waldes genannt. Er hat eine stattliche Größe von über 50 Metern und ist damit der größte noch lebende Baum  seiner Art. Wie lange er gebraucht hat, um so groß zu werden? Er wird auf über 1000 Jahre geschätzt. Die Bäume seiner Art gab es ebenfalls schon im Dinosaurier-Zeitalter. Der Krümel, auf den der Baum noch riesiger wirken muss, kriegt jedenfalls nur ein staunendes „oh“ heraus. Und es wird noch besser, einige Minuten später erreichen wir ein weiteres Prachtexemplar von Baum. Te Matua Ngahere , der Vater der Bäume. Er beeindruckt weniger mit seiner Größe als vielmehr mit dem Umfang seines gewaltigen Stammes: 16, 41 Meter!

Leider sind diese wunderschönen Bäume jahrelang den Baumfällern zum Opfer gefallen. Ihr schönes Holz, ähnlich Teak, ist sehr beliebt. Das Fällen wurde glücklicherweise irgendwann verboten, dafür sind die Bäume nun teilweise von einer mysteriösen Krankheit befallen und müssen daher besonders geschützt werden. Das geschieht zum Beispiel dadurch, dass man sich vor Betreten der Kauri-Wälder ordentlich die Schuhe ptzt und desinfiziert. Und ihr glaubt gar nicht, wie sorgsam wir das machen. Zum einen der Bäume zu Liebe, zum anderen kommt es uns natürlich ganz recht, da unsere Schuhe es wirklich nötig haben.

Einschub: Schwarzbrot, Bratkartoffeln und Rouladen

Wir sind jetzt über drei Monate unterwegs, mehr als die Hälfte der Zeit haben wir uns selbstverpflegt und das so abwechslungsreich wie es unter den Umständen möglich war. Ordentliches Brot, war das erste, was wir vermisst haben – die Liste der Bäckereien mit european style bread, die ich im Netz gefunden habe, war nicht die erhoffte Erfüllung. Wir Deutschen sind aber auch einfach sehr verwöhnt, was das angeht. Anders formuliert: die anderen haben alle keine Ahnung von richtigem Brot! Einmal haben wir in einem Mini- Supermarkt, wo wir es am allerwenigsten erwartet hätten, eingeschweißtes, aus Deutschland importiertes Schwarzbrot gefunden und natürlich sofort zugeschlagen. Vorher hatte ich lange sehnsüchtig an eine ebensolche Packung, die zuhause bei uns in der Vorratskammer liegt, gedacht. Ich hatte sie vor der Abreise von einer vorausschauenden Freundin geschenkt bekommen und sie nach langem Überlegen doch nicht ins Reisegepäck gesteckt – aus (unbegründeter) Angst vor der neuseeländischen Biosecurity. Wie blöd! Sonst haben wir auf Fernreisen auch immer eine Dose Schwarzbrot oder Ähnliches dabei.
Mittlerweile sehnen wir uns aber auch nach anderen Speisen. Manchmal sitzen wir am Tisch und zählen uns gegenseitig auf, was wir, sobald wir Zuhause sind, unbedingt essen möchten: Bratkartoffeln, Rinderrouladen, Rotkohl, Lasagne, diverse Suppen/ Eintöpfe, Reibekuchen, Currywurst… Ich kann euch sagen, mindestens die ersten beiden Wochen sind schon gefüllt.

Kai Iwi Lakes

Im Übrigen ist es zwar immer noch wolkig, die Sonne bricht aber zögernd durch die Wolkendecke und es ist warm. Das bestärkt unseren Entschluss an einen weiteren Ort zu fahren, der bei Touristen nicht so bekannt ist.  Kai Iwi Lakes – drei wunderschöne Seen, die an den Wochenenden oder in den Ferien gerne von den Kiwis aus dem nahegelegenen Auckland angefahren werden. Wir campen direkt am größten der drei und finden beinahe karibische Zustände vor: feinster, weißer Sand, türkisblaues, kristallklares und lange Zeit flaches Wasser. Nahezu perfekt für  Familien. Einen Spielplatz gibt es auch in Strandlage. Nun soll es allerdings so sein, dass es gerade als wir im Wasser sind erneut zu regnen beginnt. Wir schwimmen trotzdem ein bisschen, weil es im Wasser tatsächlich wärmer ist als draußen im Wind und stellen uns dann unter die warmen Duschen des Campingplatzes. Und dann verziehen wir uns ins Wohnmobil. Michel aus Lönneberga wartet darauf, dass ich dem Krümel mehr über seine Streiche vorlese. Später nutzt der Krümel noch den Wind, um seinen Drachen mal wieder fliegen zu lassen.
Es ist eine sternenklare Nacht, durch die Dachluke können wir die weißen Punkte am Himmel schimmern sehen, bis wir sie wegen eines erneuten Regenschauers schließen müssen. Am nächsten Morgen begrüßt uns die Sonne  mit warmen Strahlen, darauf hatten wir gewartet.  Badewetter?! Fehlanzeige! Es pfeift ein ziemlich starker und kalter Wind um unsere Behausung. Wir brechen erneut unsere Zelte ab -unplanmäßig, denn eigentlich wollten wir zwei Nächte hier verbringen –  und verbringen den Tag in der Sheepworld (dazu findet ihr unseren Gastbeitrag bei den Weltwunderern) bevor es nach Auckland und damit an die Rückgabe des Wohnmobils geht.

Birgitta

1 Kommentar

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  • Traumhaft. Genau das sind die Dinge, die gerade den Kids später in Erinnerung bleiben werden. Davon bin ich zumindest fest überzeugt. Nicht gleich beim ersten Hindernis umdrehen, sondern weiterdenken, neue Wege gehen. Und damit besondere Erlebnisse sammeln.

    Liebe Grüße, Stefan von http://www.6inavan.com

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