Wir sind ganz aufgeregt. Denn es geht kurzentschlossen für uns und den Bulli das erste Mal für mehr als nur Zwischenübernachtungen ins Nachbarland Frankreich. Ursprünglich war der Plan die Herbstferien in Venetien zu verbringen, dort gab es aber kurz vorher heftige Unwetter, sodass wir wieder einmal umdisponieren mussten. Wir fahren also über Belgien nach Südfrankreich, wobei wir eine Zwischenübernachtung im Osten Frankreichs einlegen, bevor wir an unserem ersten Ziel der Camargue sind.
Unsere Reiseroute
Wir sind die vollen zwei Wochen der nordrheinwestfälischen Herbstferien unterwegs, d.h. unser Reisezeitraum ist 11.-26. Oktober.
- Ruhrgebiet- Clessé (Tag 1)
- Clessé- Saintes-Maries-de-la-Mer (Tag 2-6)
- Saintes-Maries-de-la-Mer- Les Salles-sur-Verdon (Tag 6-8)
- Les Salles-sur-Verdon – Agay (Tag 8-11)
- Agay – Menton mit Ausflug nach Monaco (Tag 11-13)
- Menton – Savona (Tag 13-14)
- Savona – Müllheim im Markgräflerland (Tag 14-15)
- Müllheim im Markgräflerland – Ruhrgebiet ( Tag 15)
Von den 14 Nächten verbringen wir 12 im Bulli und zwei aufgrund von sehr schlechtem Wetter in einem Mobilheim eines Campingplatzes. Insgesamt sind wir 3140 Kilometer gefahren.
Die Camargue
Die Camargue ist eine um die 1000 Quadratkilometer große Schwemmlandebene in der Provence im Süden Frankreichs. Der größte Teil der Camargue wird landwirtschaftlich zum Gemüse-, Obst- und Reisanbau sowie zur Viehzucht genutzt. Der sumpfige Boden bietet beste Bedingungen für Reis und noch etwas anderes funktioniert hier lange Zeit gut: die Salzgewinnung. Südlich von Salin-de-Giraud wird fast das gesamte Gebiet von Meerwassersalinen belegt. Diese Saline wurde aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt, was allerdings die Wasserwirtschaft in diesem Bereich zerstörte. Deshalb wird heute mit einem Restbetrieb noch Salz gewonnen, um die Wasserwirtschaft intakt zu halten. Fleur de Sel, kennt ihr vielleicht, genau das kommt hierher.

Ansonsten ist die Camargue vor allem bekannt als Naturschutzgebiet und für ihre einzigartigen weißen, wilden Camargue-Pferde. Ebenso gibt es hier aber auch große Stiere und Flamingos.
Zu einer der größeren Städte gehört Saintes-Maries-de-la-Mer. Und genau dort verbringen wir die nächsten Tage auf dem Platz “Camping de la Brise”, direkt am Meer.
Saintes-Maries-de-la-Mer oder die Kirchdachbesteigung
Wir machen einen Spaziergang in das Herz von Saintes-Maries-de-la-Mer. Enge, pitoreske Gässchen erwarten uns in der Altstadt. Bunte Auslagen locken links und rechts, am ehesten stechen jedoch die riesigen Pfannen mit der typischen Paella des Camarguese hervor. Safrangelber Reis mit Gemüse und den schönsten Meeresfrüchten. Überall wird das herrlichste Essen angeboten. Wir fühlen uns wie der König in Frankreich beziehungsweise im Schlaraffenland wandelnd und können bzw. wollen vielmehr doch nicht teilhaben, da die Preise echt heftig und unverschämt sind – zumindest direkt im Zentrum. Kirche Dachbesteigung Saintes Maries de la Mer. Die perfekte Aussicht über die Stadt und das nahegelegene Meer soll man übrigens vom Dach der Kirche aus haben. Wir steigen also für ein paar Euro die Wendeltreppe des alten Gemäuers hinauf und landen auf dem Dach. Noch ein kleines Stückchen Kraxelei (und hierfür empfehlen wir dringendst fest am Fuß sitzendes Schuhwerk – keine Schlappen!) und wir sitzen auf dem Dachfirst und genießen den wahnsinnig tollen Rundumblick. Herrlich, hier oben in der Sonne könnten wir noch ewig sitzen, ein richtig tolle Atmosphäre.

Später am Tag gehen wir noch im Meer schwimmen, spielen Ball am Strand und Tischtennis auf dem Platz. Wir bedauern es etwas keine Räder dabei zu haben, die Umgebung hier würde sich wunderbar für Radtouren eignen. Leihräder gibt es natürlich auch, sogar gleich an mehreren Stellen in der Stadt, dafür sind wir aber zu geizig.
Stattdessen machen wir an einem der kommenden Tage mit dem Bulli eine kleine Sightseeingtour durch die Camargue. Wir sehen Wildpferde und Flamingos, was mich aber irgendwie so richtig beeindruckt sind die Reis-und Salinenfelder – das hätte ich so mitten in Europa einfach nicht erwartet.
Rund um die Verdonschlucht
Von der wunderschönen Camargue geht es für uns weiter in eine ebenso schöne Gegend, nämlich die rund um Gorges du Verdon. Man spricht auch vom Grand Canyon Europas. Und tatsächlich könnte die Schlucht eine kleine Schwester vom Grand Canyon im Norden des US-Bundesstaates Arizona und des Grand Canyon of the Yellowstone in Wyoming sein, wie sich schnell herausstellt. Die Verdonschlucht ist eine Schlucht in der französischen Provence, Département Alpes-de-Haute-Provence. Sie beginnt flussabwärts nach der Stadt Castellane und endet nahe Moustiers-Sainte-Marie im Stausee Lac de Sainte-Croix. Durch den etwa 21 km langen und bis zu 700 Meter tiefen Canyon fließt der türkisfarbene Fluss Verdon.

Und genau diesen schauen wir uns zunächst aus direkter Nähe an. Genauer gesagt mieten wir uns eines der zahlreichen Elektroboote am See de Sainte-Croix und gleiten damit gemütlich durch die wunderschöne Schlucht. Die Boote sind extrem langsam, was dazu führt, dass man die Landschaft in vollen Zügen genießen kann und dies aufgrund des elektrischen Antriebs weder von Lärm noch von Luftverschmutzung getrübt wird.
Später geht es für uns weiter zum weiter oben gelegenen städtischen Camping les Ruisses. Dort wird es nachts schon ganz schön kalt.
Am nächsten Morgen starten wir mal wieder eine kleine Bulli Sightseeingtour. In vielen Serpentinen schlängeln wir uns nach ganz oben, um die Schlucht mit ihrem türkisblauen Fluss von oben zu sehen. Es gibt insgesamt drei Routen um die Schlucht herum, wir entscheiden uns für die Route des Cretes (D23). Damit bietet die Verdonschlucht eine spektakuläre, 23 km lange Panorama-Serpentinenstraße am Nordrand, die für ihre engen Kurven und atemberaubenden Tiefblicke bekannt ist. Sie ist meist als Einbahnstraße im Uhrzeigersinn ab La Palud-sur-Verdon zu befahren.

Am höchsten Punkt angekommen, können wir uns gar nicht satt genug sehen. Wir können den Geiern bei ihren Flügen über die Schlucht zusehen – wie majestätisch sie dahergleiten, beneidenswert! Findet ihr den Vogel auf dem nachfolgenden Bild?

Die Verdonschlucht und Umgebung eignen sich übrigens auch super für ausgedehnte Wanderungen und auch mit E-bikes kann man hier sicherlich die ein oder andere schöne Tour machen.
Gestrandet in Agay
Dann zieht es uns wieder zurück ans Meer. Wir schlagen unsere Zelte in Agay, einem Ortsteil von Saint Raphael an der Cote d´Azur auf. Und dort bleiben wir letzten Endes auch länger als geplant, weil wir zwei Tage lang fieses Regenwetter haben – wir flüchten für diese Zeit in ein Mobilheim auf dem Campingplatz – dort kann man sich einfach noch einmal freier bewegen und es ist wärmer.

An die italienische Grenze nach Menton
Wir lassen den Regen hinter uns und bewegen uns nahe an die italienische Grenze heran, genauer gesagt nach Menton. Menton ist eine Stadt an der Cote d´Azur im Südosten Frankreichs. In ihre hügelige und mittelalterliche Altstadt, die schon sehr italienisch wirkt, verlieben wir uns sofort. Aber zuvor drehen wir uns über viele Serpentinen hoch über die Stadt und landen auf einem Campingplatz mitten in einem Olivenhain.
Über zahlreiche Treppen abwärts gelangen wir innerhalb von 15 Minuten nach unten in den Ort zum Bahnhof und mit etwas mehr Zeit auch zum Strand. Es ist wirklich wunderschön hier und insgeheim bedauere ich es schon, dass wir für den nächsten Tag schon Pläne haben…

Monaco: auf zu den Schönen und Reichen
Wir machen einen Tagesausflug nach Monaco. Nachdem wir am Vortag auf dem Hinweg schon ein kleines Stückchen durch Monaco gefahren sind – ja, auch ein Stück der Formel-1-Strecke – fahren wir heute mit dem Zug. Das funktioniert problemlos.
Monaco ist ein winziger, unabhängiger Stadtstaat an der französischen Mittelmeerküste, der für seine luxuriösen Casinos, Jachthäfen und den prestigeträchtigen Großen Preis von Monaco in der Formel 1 bekannt ist, der einmal jährlich in den Straßen des Fürstentums stattfindet.
Für den Krümel ist Monaco das Highlight schlechthin – was er hier am laufenden Band für Luxuskarosserien zu sehen bekommt, ist für ihn einfach nur wie Geburstag und Weihnachten zusammen. Während wir Erwachsene uns lieber den Botanischen Garten anschauen möchten, parken wir ihn solange in der Nähe des Casinos, wo er den besten Blick auf die Autos hat. Denn dort fahren ständig die teuersten Autos, deren Besitzer gesehen werden wollen, vor. Teilweise handelt es sich bei den Fahrern um so alte Männer, dass sie nur mit Mühe aus den tiefergelegten Vehikeln herauskommen.
Was ist unser Fazit zu Monaco? Schwer zu sagen, es ist beeindruckend, gar keine Frage. So klein und so eng, einfach übersäht mit vielen schmalen und hohen Häusern, extrem sauber (erinnert an Singapur), der Kern ist hübsch anzusehen, aber insbesondere der Yachthafen löst bei uns echt schlechte Gefühle aus. Es ist schon abartig, wie hier alles vor Reichtum strotzt. Das ist einfach zu viel!
Käsevorräte auffrischen in Sevona
Unser Urlaub neigt sich dem Ende zu. Nach einer weiteren Nacht in Menton überqueren wir die Grenze nach Italien und schlagen unser Lager auf einem Stadtcamping in Sevona auf. Zum Glück hat der Platz so spät im Jahr noch geöffnet; trotz direkter Strandlage ist er wirklich keine Schönheit und unterste Kategorie, aber er ist praktisch. Fußläufig sind wir innerhalb weniger Minuten im Stadtkern und das ist gut so. Wir decken uns mit Parmesankäse ein und essen abends noch echte italienische Pizza. am nächsten Tag geht es über die Schweiz bis Baden-Würtemmberg und nach einer weiteren Übernachtung in – Müllheim dann nach Hause.

















Das klingt nach einer schönen Tour. Wie waren denn die Temperaturen so? Südfrankreich ist uns immer zu warm für den Sommer und zu weit weg für nur eine Woche Herbst oder Ostern. Aber vielleicht wäre es wirklich mal eine Idee, den Haupturlaub in den Herbst zu legen.