Krümel's grosse Reise

Lettland: Höhlenmalerei und baden im Gauja Nationalpark

Unser Weg hat uns in den Gauja Nationalpark geführt. Das ist der älteste und zugleich größte Nationalpark in Lettland.

Während der Anfahrt habe ich gedacht, dass es wichtig wäre unserer Leser und vielleicht auch Nachhahmer auf eine Besonderheit des Baltikums hinzuweisen bzw. sie vor einer kleinen Falle zu bewahren: Hier sind zwar alle Wege kurz, weil die Länder nicht groß sind und doch braucht man lange um von A nach B zu kommen. Auf Straßen außerhalb der Stadt darf man meist nur 70km/, gelegentlich auch 90 km/h fahren. Sehr oft trifft man aber gar keine asphaltierten Straßen, sondern lediglich Schotterpisten an und ja, Baustellen gibt es auch hier genug. Die halten ebenfalls auf.

Erster Halt: Gutmannshöhle in Sigulda

Sigulda liegt etwa 50 Kilometer östlich von Riga am Ostufer der Gauja. Die Stadt hat einen sehr hübschen alten Bahnhof und eine erstaunlich moderne Markthalle. Hier stärken wir uns erst einmal mit Kaffee und ein paar Zimtschnecken. Im weiteren Verlauf unserer Entdeckungstour stellen wir fest, dass es auch einen großen und schön angelegten Park mit mehreren Spielplätzen gibt. In diesem Park, unweit der Burg Turaida, befindet sich auch die Gutmannshöhle. Unser Reiseführer hat uns diese sagenumwobene Höhle angepriesen. In der letzten Eiszeit formte der Fluss Gauja aus dem hügeligen und rotgelben Sandstein geprägten Gelände ein Tal mit Höhlen, Felsen und Grotten. Fast 90 Meter hohe Felstwände und Wälder prägen heute den Bereich der Gutmannshöhle und der naheliegenden Victoriahöhle. Die Gutmannshöhle selbst hat einen 10 Meter hohen Eingang, es geht nicht tief hinein, das Interessante, weshalb auch immer wieder Touristen hierherfinden ist, dass die Felswand über und über mit Malereien bedeckt ist. Sie diente früher als Schutzstelle und Jagdquartier. Sowohl an zugänglichen als auch an unzugänglichen Stellen sind Erkennungszeichen von früheren Studentenverbindungen in den Stein gekratzt. Sie stammen aus der Zeit 1840 bis 1940 und sind noch recht gut zu erkennen. Es gibt aber auch viele Initialen von Liebespaaren, die zur Höhle gepilgert sind und sich im Sandstein verewigt haben zu sehen. Grund hierfür ist die lettische Sage aus dem 17. Jahrhundert um die Rose von Turaida – eine tragische Liebesgeschichte. Und es gibt eine weitere Legende und zwar geht es dabei um die Quelle, die in der Höhle entspringt. Diese soll angeblich Heilkräfte haben. Trinkt man von ihrem Wasser soll Liebe und Treue ewig andauern. Junge Mädchen waschen sich ihre Gesichter damit, um für immer jung und schön zu bleiben. Unser Fazit: Eine nette Geschichte und schöne Landschaft, die Höhle selber ist aber etwas enttäuschend, weil doch sehr klein und verdammt eng mit all den Leuten, die gleichzeitig hineinwollen.

Die Gutmannshöhle

Campingplatz Sigulda Pludmale

Heute bietet es sich an auf einem kommerziellen Campingplatz zu übernachten und dafür ist er wirklich schön. Wir stehen auf einer Wiese mit direktem Blick auf die Gauja. In dieser kann man übrigens auch gut schwimmen,wie wir wenig später herausfinden. Ihr müsst wissen, die Gauja ist ein Fluss mit recht braunem Wasser, d.h. man kann nicht sehen, wohin man tritt. Soetwas ist eigentlich überhaupt nichts für mich. Aber es ist so warm draußen, eine Abkühlung könnte ich wirklich dringend brauchen und außerdem machen es alle hier. Ich werfe meine Bedenken also kurzerhand über Bord und mich selbst ins kühle Nass. Und es tut so gut! Nach einigem Zögern kommt auch der Krümel rein und wir haben noch richtig Spaß.

Campingplatz Sigulda Pludmale direkt am Ufer der Gauja

Im Vergleich zum Rest des Baltikums ist es hier im Nationalpark übrigens richtig touristisch, wenn man so will. Der Campingplatz zum Beispiel liegt am Ende einer „Erlebnis-Straße“. Es gibt große Paddeltouranbieter, die einzige Seilbahn im Baltikum, eine Sommerrodelbahn und einen Kletterwald mit dem treffenden Namen „Tarzans“. Letzteren probiert der Krümel am nächsten Tag auch gleich aus. Ausgestattet mit Karabinern und Sicherheitsgeschirr geht es los in den Kinderparcour und er macht sich richtig gut. Am meisten Spaß macht ihm am Ende die Tarzan-Bahn. An einer Seilwinde eingehakt saust er auf die andere Seite. Juhu!

Der Krümel spielt Tarzan im Kletterpark „Tarzans“

Weltbeste Kartoffelrösti in Legatne

Zum Mittagessen stranden wir in dem pitoresken Örtchen Legatne. Ein winziger Ort der aus einem Supermarkt, einer Post, dem Touristinformationsbüro und einer einzigen Gaststätte besteht. Und genau dort esse ich die leckersten Kartoffelröst meines Lebens. Wir bleiben noch lange hier sitzen, weil es einfach so gemütlich ist.

Übernachten tuen wir heute übrigens ganz alleine auf einem Wanderparkplatz mitten im Wald. Von dort aus machen wir noch eine kurze Wanderung zu roten Sandsteinfelsen. Das Ganze erinnert uns ein bisschen an unsere Kanadareise vor zwei Jahren.

Die alte Stadt Cesis

Am nächsten Tag besuchen wir die Stadt Cesis mit ihrer gut erhaltenen Burg aus dem 13.Jahrhundert. WIr wandeln etwas durch die wunderschöne Altstadt mit vielen einladend aussehenden Cafes (davon sieht man im Baltikum sonst nicht so viele) und dem schön angelegten Stadtpark um die Burg herum. Das machen wir, bis es böse anfängt zu regnen und wir uns schnell in eines der vorher schon ausgekuckten Cafes verziehen. Da es hier nicht nur leckeren Kaffee, sondern auch eine große Spielecke mit Büchern und Spielen für Kinder gibt, bleiben wir einige Zeit.

Raiskumietis

Auf der Weiterfahrt machen wir eine spontane Privat- Blitzbesichtigung in einer kleinen, lokalen und aufstrebenden Familienbrauerei. Raiskumietis heißt das bernsteinfarbene Bier aus dem Holzfass. Seit dem Johannisfest vor zwei Wochen sei alles ausverkauft und die beiden Inhaber (Brüder) schwer beschäftigt. Bei ihnen können wir daher leider nichts kaufen. Sie verweisen uns jedoch auf einen kleinen Shop an der Ecke. Zunächst sehen wir ihn überhaupt nicht, da er von außen als Kneipe getarnt ist. Wir öffnen die knarrende Tür und stehen zu unserer Verwunderung plötzlich in einem Tante Emma Laden, wie es sie bei uns vor 60 Jahren gab. Wow, was für eine Zeitreise. Aber wir bekommen unser Bier.

Hier entsteht das bernsteinfarbene Bier „Raiskumietis“

Campings Klintis

In Tuja passieren wir einen wildromantischen freien Campingplatz oberhalb des Meeres mit Treppenzugang zum Strand. Leider ist hier alles sehr verkommen und verdreckt, insbesondere die Plumpsklos. Ob es nun  andere Camper waren oder einheimische Kurzzeitgäste -das sind meist junge Erwachsene, die sich abends an solchen Wanderparkplätzen mit ordentlich Stoff zum Feiern treffen – wir ziehen lieber weiter.
Und es soll sich lohnen. Als wir weiterfahren treffen wir auf einen wahren Juwelen, den Campingplatz “ Campings Klintis“. Die roten Sandsteinfelsen mit höhlenartigen Ausbuchtungen schauen wir uns auch sogleich an und spielen Verstecken darin. Hier ist es eigentlich noch viel schöner als an der Gutmannshöhle in Sigulda. Und wieder einmal ist der Strand hier menschenleer. Wir versuchen uns noch ein bisschen in Höhlenmalerei und müssen dann leider vorm nächsten Regenschauer flüchten.


Camping ist hier, wie eigentlich bei allen kommerziellen Campingplätzen, die wir im Baltikum bisher erlebt haben, so herrlich unkompliziert. Man bezahlt, sucht sich einen Platz aus und stellt sich einfach dorthin. Keine Zuteilung, keine endlosen Listen, nichts. Ebenso ist es mit dem Internet. Wenn es Wifi gibt, dann meist ohne Passwort und ohne Anmeldung/Freischaltung sowieso. Der Platz an sich spiegelt Unkompliziertheit wieder. Keine engen Parzellen. Eine endlos grüne Wiese, viele Bäume, ein paar kleine Toilettenhäuschen, zwei größere mit Duschen. In regelmäßigen Abständen gibt es überdachte Picknickgarnituren und neben genau so eine stellen wir uns auch aufgrund des Regens. So können wir draußen im Trockenen sitzen. Es gibt auch einige wenige kleine Mobilheime, ein sehr gutes Restaurant mit einheimisches Spezialitäten und eine wunderschöne Sauna.

Es hat stark geregnet, das Aufstelldach vom California ist nass. Es ist vergleichbar mit einem Zelt und das ist bekanntlich auch ungünstig nass einzupacken. Wir tun es trotzdem und werden es bei nächster Gelegenheit, also wenn es wieder trocken ist, einfach auf einem Parkplatz oder so wieder hochfahren und trocknen lassen.

Auf der Suche nach der Grenze zu Estland

Langsam müssen wir uns von Lettland verabschieden. Wir fahren nach Aizere, hier ist die Nordmole, eine Steinmauer, die in die Ostsee reicht und so ziemlich die Grenze zu Estland markiert. Wir laufen einen Sandweg auf einen Aussichtsturm zu. Es hat glücklicherweise aufgehört zu regnen, dafür windet es nun enorm. (Wir haben die Gelegenheit sogleich beim Schopfe gepackt und das Dach hochgefahren, um es trocken pusten zu lassen)
Der Krümel-Papa erklimmt den Turm als Erster. Es ist oben irre windig, so dass er uns bedeutet unten zu bleiben. Dann gehen wir Richtung Strand mit dem Ziel Mole. Zwei Anläufe verlaufen im Nichts. Das Gras ist sehr hoch, so dass der Krümel gut aufpassen muss und ordentlich zu kämpfen hat. Plötzlich steht uns ein Rehkitz gegenüber. Ich weiß nicht, wer erstaunter ist? Nach einem Augenblick der Verwunderung macht das Jungtier kehrt und ist auch schon verschwunden. Wir machen kurz darauf auch kehrt, weil es für uns nicht mehr weitergeht. Wir laufen über einen
Autoreifenfriedhof mitten in der Pampa und erklimmen einer Düne.
Den dritten Anlauf starten wir über die Straße. Der Krümel aber hat verständlicherweise mittlerweile schwere Beine und Hunger und ist nicht weiter zu bewegen. Also canceln wir uns Vorhaben.

Und sonst so

Was uns auf unserer Reise durchs Baltikum übrigens immer wieder auffällt sind u.a. drei Dinge: Es gibt ganze Wälder, die nur aus Birken bestehen. So hochgewachsene Birken, haben wir bei uns noch nie gesehen. Bei uns sind sie ja eher als Maibäume bekannt. Und hier fahren zahlreiche alte, deutsche Autos herum. Wir erkennen die bei uns ausrangierten Fahrzeuge an den Umweltplaketten, Kennzeichenhalterungen mit deutschen Werbepartnern oder Lastwagen mit verblassten Werbesprüchen in deutscher Sprache.

Außerdem gibt es hier unglaublich viele Störche. Überall sehen wir sie über die Felder spazieren oder hoch oben in ihren Nestern sitzen.

Störche gibt es viele im Baltikum



Kruemel

Kommentar

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  • Liebe Brigitta,
    bisher hatte ich Lettland nicht wirklich auf dem Schirm. Die Landschaft und die Unkompliziertheit, so wie Du sie beschreibst, hören sehr schön an. Gerade die Gegend an der Gauja haben es mir angetan, dass könnte unseren Kids auch gut gefallen.
    Liebe Grüße

    Alex