Krümel's grosse Reise

Buchrezension: Die Entdeckung Europas

Ich möchte euch heute ein Buch von meiner Bloggerkollegin und Journalistin Lena Marie Hahn vorstellen. Es nimmt den Leser mit auf eine elfmonatige  Familienreise durch Europa. „Die Entdeckung Europas“ ist ein Reisetagebuch und gibt uns gleichzeitig einen Einblick in Kultur, Politik und Historie der bereisten Länder. Mit dabei sind der zu dem Zeitpunkt 8- jährige 2. Klässler Silas und sein Bruder Janis (10), der die 5. Klasse besucht. Famililenvater Martin ist Diplom-Ingenieur.
Das Buch ist insgesamt leicht zu lesen, obwohl die Autorin häufig auf historische Hintergründe eingeht und diese auch gerne etwas ausschmückt.

Es kommt immer anders als man denkt

Was mich am meisten fasziniert hat, ist, dass eigentlich alles ganz anders geplant war.  Da die Familie aus Prinzip keine Flugreisen macht und sich so für gewöhnlich in Deutschland und dem Rest von Europa Urlaubsziele sucht , sollte es bei so viel Zeit doch einmal auf einen anderen Kontinent gehen. Und zwar mit dem Kreuzfahrtschiff nach New York. Es war alles von langer Hand geplant und doch scheiterte es wenige Wochen vor Reiseantritt am amerikanischen Visum. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, wurde kurzerhand umgeplant und das Familienauto bis unters Dach vollgepackt. Am 4. September 2014 ging es los von der Haustür im niedersächsischen Schaumburg aus  über Österreich nach Osteuropa. Später ging es dann in den Süden des Kontinents und mit einem kurzen Zwischenstopp in der Heimat weiter nach Nordeuropa.

Die Entdeckung Europas

Couchsurfing mit Spätzlereibe

Die vierköpfige Familie hat eine Spätzlereibe im Gepäck und wann immer sie bei Einheimischen Obdach finden – sie sind als Couchsurfer und Ferienwohnungs/Pensionsgäste- unterwegs, bekommen die Gastgeber Spätzle zum Abendessen und obendrauf einem kulturellen Austausch als Dankeschön. Sie haben die verschiedensten Gastgeber, von der Männer-WG über eine 5-Kulturen-WG bis hin zur klassischen Familie. Wie sich herausstellt, ist das in den überwiegenden Fällen eine Bereicherung für beide Seiten und eine großartige Möglichkeit näher in das Land einzutauchen. So einen engen Kontakt, Austausch, Einblick in Bräuche und unschlagbare Stadtführungen, die weit über die normalen Sightseeingtouren hinaus gehen, bekommt man sonst nicht. Mir hat es Lust gemacht diese Art von Reiseunterkünften selbst einmal auszuprobieren, wobei ich mir nicht vorstellen kann, es so konsequent und häufig zu machen wie Familie Hahn es gemacht hat. Die Autorin beleuchtet Land und Leute, ihre Angewohnheiten und Gepflogenheiten durchaus kritisch, positiv wie negativ.

Homeschooling für die Jungs

Die beiden schulpflichtigen Söhne werden während der Reise von den Eltern unterrichtet. Während der Jüngere lesen und schreiben lernt, setzt der Ältere sich mit Mathematik und unregelmäßige Verben auseinander. Das passiert mal am Küchentisch in der Ferienwohnung, ein anderes Mal im Regen auf einem Marktplatz und natürlich nicht immer freudestrahlend. Fremdsprachen, Politik und Geschichte lehrt sie der Alltag der Reise quasi von selbst. Die beiden werden zu richtigen Kulturkindern. Eine schönere Art zu lernen gibt es nicht, oder? Ich finde es großartig, was die Eltern ihren Kinder da mit auf den Lebensweg geben. Sogar die Lehrer stellen hinterher eine enorme soziale Entwicklung und keine Defizite, was den Lernstoff angeht, fest. „Eigentlich sollte man jedem Kind so eine Erfahrung wünschen“, heißt es.

Janis und Silas erleben, wie Kinder in anderen Ländern Geburtstag feiern. Ihr Weihnachtsfest feiern sie in Bulgarien mit einer englischen Familie zusammen. Und Silas has seinen „schönsten“ Geburtstag während der Reise. Der Tag ist natürlich anders als er es zu Hause wäre und doch ist alles dabei, was für ihn einen gelungenen Geburtstag auszeichnet.

Frau Hahn entführt den Leser

Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen und zwischendurch nur widerwillig zur Seite gelegt. Was für mich ein gutes Buch ausmacht: es entführt mich aus dem Alltag. Und das ist hier auf jeden Fall gelungen. ich war gedanklich auf der Reise mit dabei. Der Leser merkt, dass Lena Marie Hahn Geschichte und Religionswissenschaften studiert hat, denn zumindest auf Ersteres wird ein großer Fokus gelegt. Und doch schafft die Journalistin den Spagat, dass es auch  für die  vielleicht nicht ganz so geschichtlich versierten Leser interessant bleibt.  „Die Entdeckung Europas“ ist ein packender und lebhafter Reisebericht. Und mehr als das: Lena Marie Hahn hat einen so angenehmen Schreibstil, das man erstens, wie auch schont erwähnt, das Gefühl hat selbst ein bisschen dabei gewesen zu sein und zweitens ganz nebenbei eine Menge über unseren Kontinent erfährt.

Mir gefällt, dass die Familie auch die nicht so typischen Urlaubsländer bereist und über den Tellerrand schaut. Den beiden Jungs werden die meiste Zeit über keine spektakulären Freizeitparks und andere typische Familienausflugsziele geboten, das ist aber auch gar nicht nötig. Die Eltern schaffen es auf eine angenehme und kindgerechte Art ihren Sprösslingen Geschichte und den europäischen Gedanken zu präsentieren, ohne das es ihnen langweilig wird.

Der Aufbau des Buches

Jedes der 43 Kapitel beginnt mit ein bis zwei zusammenfassenden Sätzen.  In einem Kasten wird der Leser über den Reiseverlauf informiert. Das Buch ist insgesamt 364 Seiten stark.
Das hintere Cover des Taschenbuches zeigt neben dem Klappentext eine Skizze Europas und die grobe Reiseroute durch die 21 Länder. Das vordere Buchcover finde ich persönlich sehr ansprechend. Es zeigt eine bunten Globus, natürlich mit dem Fokus auf Europa und ein Foto der reiselustigen Familie. Vor ihnen steht ein brauner Lederkoffer, der mit lauter Länderflaggen beklebt ist. Auf dem Gepäckstück haben die vier ihre Füße abgelegt. Das ist übrigens das einzige Foto im ganzen Buch.

Der Aufbau

Und damit kommen wir zu den zwei Kritikpunkten, die ich am Buch habe. Ich habe die sicherlich spektakulären Fotos der Reise vermisst. Zwar gibt es am Ende des Buches einen Hinweis auf Fotos in ihrem Reiseblog, doch hätte ich das ein oder andere Foto, auch um den Text aufzulockern, schön gefunden. Desweiteren hätte ich persönlich gerne noch mehr über die kurzfristige Umplanung bzw. überhaupt die Planungen im Vorhinein der Reise erfahren. Vielleicht hat Lena Marie Hahn auch das in ihrem Reiseblog behandelt, für mich hätte es allerdings ins Buch gehört.

Klare Kaufempfehlung

Lena Marie Hahn ermutigt den Leser dazu auch eher unbekannte Länder Europas zu bereisen und ohne Vorurteile auf die Menschen dort zuzugehen. Ob man nun selber so eine Reise nachahmen möchte oder von der heimatlichen Couch aus auf gedankliche Reise gehen möchte, es ist in jedem Fall eine lohnenswerte Investition. „Die Entdeckung Europas“ kann ich mir auch wunderbar für reisebegeisterte und weltoffene Menschen oder solche, die es werden sollen (!) vorstellen. . Der Preis von 11,99 € ist für das Taschenbuch völlig angemessen. 

Zusatz: Schulbefreiung

Was mich persönlich ganz doll interessiert hat, ist natürlich, wie Familie Hahn es mit der Schulbefreiung der beiden Jungs hingekriegt hat. Den Weg zur temporären Schulbefreiung ihrer Söhne hat Lena Marie Hahn in einem kurzen E-Book beschrieben. Sehr informativ und hilfreich!

[Wir haben das Rezensions-Exemplar dankenswerterweise kostenlos von der Autorin zur Verfügung gestellt bekommen]


Kruemel

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