Krümel's grosse Reise

Mit dem Zug an die Nordsee – ein Erfahrungsbericht

Wir sind noch nicht zwei Monate zurück von unserer großen Reise und schon geht es wieder los. Diesmal geht die Krümel-Familie getrennte Wege, wobei alle in Deutschland bleiben. Während der Papa mit dem Bulli Richtung Schwarzwald aufgebrochen ist, sitzen Krümel, seine Oma und ich, die Krümel-Mama, im Zug nach Norden. Unser Ziel ist eine Stadt direkt an der Nordsee gelegen. Es geht nach Norden-Norddeich.


Warum fahren wir mit dem Zug?

Norden ist doch nur drei Autostunden entfernt…. Zugegeben, meine Idee war es nicht.  Ich bin etwas skeptisch, obwohl ich generell gerne mit dem Zug verreise. Doch unsere Weltreise war aufgrund der vielen Flüge eine große Klimasünde. Den durch uns verursachten CO2-Ausstoß können wir nicht mehr gut machen, aber wir können es ab sofort besser machen. Außerdem ist so eine Zugfahrt viel entspannter. Wir brauchen nicht auf den Verkehr zu achten und können die Zeit anderweitig nutzen mit Lesen, Erzählen, Zuhören etc. . Zwei Vorteile liegen also schon einmal klar auf der Hand:

  • 1. Es ist die umweltfreundlichere Art zu reisen und
  • 2. die bequemere auch (einfach reinsetzen, fahren lassen und  die Landschaft genießen. Wie ihr wisst, ist das mein neuer Vorsatz: alles lockerer angehen lassen).

Außedem ist es gerade für den Krümel, der noch nicht so oft in seinem Leben mit dem Zug gereist ist, aufregend. Er fragt mich schon seit Tagen über den Zug aus und konnte es kaum erwarten, dass es losgeht. Zugfahren ist für ihn ein Abenteuer.

Wir werden sehen, ob wir das Auto vermissen oder nicht.

Es geht los

Um 7.52 Uhr am Samstagmorgen steigen wir in den Zug. Eine Stunde mit dem RE, dann weiter mit dem IC. Wie es sich für eine richtige Reise gehört und wie ich es einfach schon seit Kindheitstagen gewöhnt bin, haben wir am Vorabend Milchbrötchen für die Fahrt geschmiert. Und die werden nun mit großem Appetit verzehrt. Mhh, lecker. So schmeckt der Beginn des Urlaubs.

Den Anschlusszug kriegen wir beinahe ohne Probleme. Um die Uhrzeit am Wochenende ist der Bahnhof noch relativ leer und wir können ganz in Ruhe zu unserem Gleis schlendern. Dort angekommen ist noch ein vorheriger Zug angeschlagen, der Verspätung hat. Zuerst kommt eine Durchsage, dass unser Zug auf dem Nebengleis einlaufen soll. Kein Problem. Dann, zwei Minuten vor Ankunft soll die Bahn doch wieder auf einem anderen Gleis ankommen. Also, Koffer in die eine Hand, Kind an die andere, Treppe wieder runter, eine andere wieder rauf und wir sind richtig und können auch sogleich einsteigen.

Bahnerlebnisse

Wir haben Plätze in einem Großraumabteil reserviert und sitzen an einem Tisch. Der Krümel bekommt ein kleines Tütchen Gummibärchen vom Fahrkartenkontrolleur zugesteckt und lässt sich dann von der Oma die Geschichten von Pitje Puck dem Postboten vorlesen. Ich beobachte zunächst die Fahrgäste um uns herum. Das habe ich schon immer gerne gemacht. Ich mag das, die Gesprächsfetzen um uns herum mitzukriegen, Verhalten und Beschäftigungen der anderen zu analysieren und ggf. ins Gespräch mit ihnen zu kommen. Am Nachbartisch sind zum Beispiel zwei befreundete Frauen mittleren Alters auf dem Weg nach Norderney, nach kurzer Zeit bekommen sie Gesellschaft von zwei Schwestern, die ihren Hund dabei haben. Schnell beginnen sie einen Smaltalk miteinander. Sie haben Spaß und lassen es sich gut gehen. Die eine von ihnen holt nach und nach mehr Dosen aus ihrer Tasche, ehe man sich versieht, hat sie ein ganzes Buffet aufgebaut. Sogar bunte Pieker für Käsewürfel, Trauben und Frikadellen kommen zum Vorschein. Ihre Freundin zaubert eine Flasche Sekt hervor. Zwei andere Frauen verschwinden sofort hinter ihren Zeitschriften. Ein Mann schlürft genüsslich seinen Kaffee und ist in seiner Zeitung vertieft. Eine junge Frau holt ihren Laptop heraus, sobald sie sitzt und schließt ihn an den Strom an.

Ich nutze die Zeit zum Bloggen und denke über mögliche Nachteile dieser Zugreise nach. Mir fallen sofort drei Dinge ein, die mit dem Auto definitiv praktischer wären.

  • 1. wir wären schneller am Ziel (wir sind jetzt über fünf Stunden unterwegs) und
  • 2. wir hätten nicht so extrem aufs Gepäck achten müssen. Zum Beispiel haben wir komplett auf sperriges Sandspielzeug verzichtet. Natürlich kostet ein Eimer und eine Schüppe nicht die Welt, aber im Auto hätten wir sie einfach verstauen können.
  • 3. da wir ein Auto mit Gastank fahren, wäre die Reise definitiv billiger gewesen. Wir haben leider keinen super Sparpreis der DB ergattern können.

Später machen wir Kartenspiele und die restliche Zeit vertreibt der Krümel sich mit dem Hören von Hörbüchern. Und dann sind wir auch schon da, am kleinen und beschaulichen Bahnhof von Norddeich. Eine Haltestelle vor der Endhaltestelle Norddeich-Mole (Überfahrt nach Juist und Norderney). Es sind alles kurze Wege hier. Norddeich ist nicht sonderlich groß. Daher gehen wir zu Fuß zu unserer Unterkunft.

Die Rückreise

Nach einer Woche Norddeich geht es zurück in die Heimat und zwar auf die gleiche Art wie wir hergekommen sind, mit dem Zug. Vor Ort haben wir das Auto kein bisschen vermisst und auch einfach nicht gebraucht (dazu schreibe ich in den folgenden Beiträgen noch mehr). Wir haben wieder interessante Mitreisende. So lernen wir zum Beispiel zwei Freundinnen um die 60 Jahre kennen, die gerade den ersten gemeinsamen Urlaub auf Norderney hinter sich haben. Es war ein Test. Dieser ist gut ausgefallen, es wird weitere gemeinsame Reisen geben. Und dann ist da noch eine ältere Dame, die nicht müde wird ihren direkten und auch den ferneren Sitznachbarn immer und immer wieder zu erzählen, dass sie gerade auf dem Weg zu ihrem Sohn ist. Dessen Schwiegervater feiere seinen 80. Geburtstag und zwar ganz nobel. Er habe ein Schiff gemietet, womit die ganze Festgesellschaft über den Rhein fahren würde. Ganz was Feines. Sie freue sich sehr. Als ihr nicht ganz ernst gemeint die Frage gestellt wird, ob sie denn auch das kleine Schwarze eingepackt habe, gibt sie ganz entrüstet zur Antwort: „Natürlich nicht, ich kann die Schwiegermutter doch nicht übertrumpfen!“

Die Rückfahrt verläuft für uns, ebenso wie die Hinfahrt, planmäßig. Zwar fahren wir uns 10 Minuten Verspätung ein, unseren Anschlusszug bekommen wir trotzdem. Die Verspätung entstand, weil ein kaputter Wagon in Norddeich-Mole abgehängt wurde. Durch den fehlenden Wagen fehlte dem ein oder anderen Mitreisenden natürlich sein reservierter Sitzplatz. Das konnte aber wohl ganz gut mit ohnehin freigebliebenen Plätzen (verstreut über den Zug) ausgeglichen werden.

Unser Fazit

Wieder zu Hause fällt unser Fazit eigentlich nicht anders aus als schon zu Beginn des Artikels angedeutet. Ja, wenn wir mit dem Auto gefahren wären, wäre es für uns Selbstversorger in einer Ferienwohnung praktischer gewesen. Wir hätten unsere „Fresskiste“ hinten im Kofferraum gehabt und hätten grundständige Dinge wie Butter, Marmelade, Honig, Salz, Pfeffer und Öl nicht extra kaufen müsen – denn das sind die Sachen, die man in einer Woche eher selten komplett aufbraucht. Und auch das Sandspielzeug hätten wir von zu Hause mitgenommen. Nun ist der Krümel aber sowieso schon in einem Alter, wo ihm ein Spaten und ein Eimer reicht. Und dafür habe ich für das nächste Mal auch schon eine Alternative: es gibt sowohl Klappspaten als auch Falteimer. Beides passt ideal in den Rucksack oder Koffer. Problem gelöst. Die Anreise hat in unserem Fall länger gedauert als sie es mit dem Auto getan hätte, doch wie sagt man so schön? Wir sind nicht auf der Flucht, sondern im Urlaub. Ja, wir würden es auf jeden Fall noch einmal machen und gerade in Norddeich bietet es sich wirklich an, weil es so familienfreundlich ist und man zu Fuß oder mit dem Bus wirklich alles gut erreichen kann.

Beim nächsten Mal könnt ihr dann lesen, was wir in Norddeich so alles erlebt haben.

Kruemel

Kommentare

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  • Was für ein schöner Erlebnisbericht! Damit überzeugst du bestimmt einige Familien 🙂

    Ich würde trotz der allfälligen Zugverspätung und des Gepäckproblems noch ein paar Vorteile des Zugfahrens anbringen (denn wir stellen auch bei jeder Fahrt im Kopf pro und contra gegenüber…):
    – Ihr seid wesentlich sicherer unterwegs (schau dir mal die Unfallstatistiken Auto vs. Zug an…)
    – für die Kids, aber auch für uns Erwachsene ist es viel angenehmer, nicht stundenlang angeschnallt in derselben Haltung verbringen zu müssen
    – Ihr könnt im Zug jederzeit aufs Klo gehen (und das sieht dann in der Regel viel besser aus als die gruseligen Raststättenklos)
    – Ihr hattet jetzt 10 Minuten Verspätung – aber wie viel länger werden Autofahrten in den Urlaub regelmäßig wegen Staus?

    Alles in allem werden wir uns einfach umstellen MÜSSEN, wenn wir weiter ein gutes Leben haben wollen. Und da macht sich eine positive Grundhaltung immer gut – wie du schon sagst, man ist ja im Urlaub, nicht auf der Flucht 🙂

    LG
    Jenny

    • Liebe Jenny,
      vielen lieben Dank für deinen Kommentar und die weiteren Aufführungen der Vorteile einer Zugreise. Du hast vollkommen recht, wir müssen alles umdenken, wenn wir weiterhin ein gutes Leben auf dieser Welt führen wollen. Zu diesem Thema werde ich demnächst auch noch etwas schreiben.