Krümel's grosse Reise

Neuseeland: Unser Fazit

Das Ziel der Träume?!

Uns gefällt Neuseeland, gar keine Frage, aber trotzdem können wir diesen großen Hype um das Land am anderen Ende der Welt nicht ganz verstehen. Fast jeder mit dem wir sprechen, möchte unbedingt einmal nach Ozeanien – das Traumziel schlechthin. Eine Faszination für viele, vielleicht auch weil es schlicht und ergreifend ein so fernes Ziel, eben am anderen Ende der Welt, ist und so unerreichbar scheint?

Die Literatur, die wir Zuhause über das Land der langen, weißen Wolke in den Händen hatten – und es waren nicht nur Reiseführer! – lösen eine unendliche Sehnsucht aus und soviel Reiz, dass man evtl. schon mit dem Gedanken des Auswanderns spielt, bevor man je einen Fuß in das Land gesetzt hat.  So ging es uns jedenfalls. Und dann diese immer wieder beschriebene offene, liebenswürdige, herzliche und lässige Art der Kiwis. Das gepaart mit der unendlichen und grandiosen Landschaft, mehr als ausreichend Platz für alle. Ein Paradies für einen Neuanfang? Für den ein oder anderen bestimmt, die Chancen steigen wohl, wenn man sich Landwirt nennen darf, für uns nicht. Wenn wir nun aber in Neuseeland leben müssten, dann bitte in Christchurch oder Rotorua. Diese beiden Städte haben uns am besten gefallen, anderswo ist es uns zu einsam gewesen.

Aber ich schweife ab.

Einmal alles in Einem bitte!

Also, einzigartig ist hier bei Weitem nicht alles, zumindest nicht für Vielreisende, für Menschen, die schon etwas herumgekommen sind in der Welt- bis auf das von mir schon oft beschriebene Licht, das mit dem integrierten Weichzeichner: Das ist wirklich einmalig, soetwas haben wir zuvor noch nie gesehen und werden es wohl auch nie wieder zu sehen bekommen. Fehlende Einzigartigkeit an mancher Stelle bedeutet allerdings nicht gleich, dass es deshalb nicht trotzdem schön, teilweise atemberaubend und spektakulär ist. Aber eben nicht in dichter Folge und unaufhörlich, so wie wir es uns vorher manchmal fälschlicherweise und geblendet von DEN einzelnen Highlight-Bildern eines einzelnen Reisenden in den Sozialen Medien vorgestellt hatten. Wie schon einmal beschrieben ist es für uns hier eher so, als wären in Neuseeland viele Länder der Welt vereinigt, von jedem findet man Elemente hier und das ist natürlich auch etwas Besonderes. Angenommen ein Mensch würde nur ein einziges Mal in seinem Leben verreisen, so würde es für ihn durchaus Sinn ergeben, wenn er Neuseeland als Reiseziel wählen würde. Er hätte Weinberge wie in der Toskana, Dschungel wie in Asien, Berge wie in der Schweiz, Fjorde wie in Norwegen, heiße Quellen wie auf Island, Strände wie in Australien, Dünen wie an der deutschen See und und und. Kurzum: ziemlich viel von der Vielfalt der Welt gesehen und das alles in nur einem Land und bei gleicher Kultur. Carhedral Cove ist auch ein tolles Beispiel: es vereint in unmittelbarer Umgebung gefühlt Krabi in Thailand  mit den grünen Felsen im Wasser und dem herrlichen Sandstrand, die Ostsee mit Dünen und Kreidefelsen und Neuseeland mit Kuhweiden.
Im Übrigen hatte der Krümel-Papa ein interessantes Gespräch mit einer deutschen Auswandererin in einem Restaurant in Rotorua. Sie lebt seit neun Jahren der Liebe wegen hier und bestätigt unsere Einschätzungen. Es sei wirklich hartes Brot hier Fuß zu fassen, in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Blauäugig die Schlüssel der eigenen Wohnung an soeben erst kennengelernte Touristen abzugeben? Ja, vielleicht in Auckland oder Umgebung,  aber bestimmt nicht überall.

Insgesamt sind die Kiwis aber tatsächlich ein freundliches und vor allen Dingen unkompliziertes und hilfreiches Völkchen, das haben auch wir mehrfach festgestellt. Denkt nur an die Geschichte mit meinen kaputten Wanderschuhen

Meine neuen Wanderschuhe und ihre Famile

Das Land für Familien schlechthin

Was uns am meisten beeindruckt hat, ist die unglaubliche Kinder-bzw. Familienfreundlichkeit. Die fängt an bei den einfach sagenhaften großen Spielplätzen, die überall im Land verteilt sind, generell gibt es eine große Dichte überhaupt an playgrounds und dann immer alle mit angrenzender Toilettenanlage, Wasserspender etc. . In jedem Restaurant bekommt man sofort ein Kindermenü samt Beschäftigung für die Kids, Hochstühle gibt es sowieso überall. In Einkaufszentren, Zoos etc. gibt es ganz selbstverständlich parents rooms, dorthin kann man sich zum Stillen zurückziehen, zum Wickeln, teilweise sind es auch einfach breitere Toilettenräume als gewöhnlich, damit man mit Kind und evtl. auch Kinderwagen genügend Platz hat. Die Dichte der öffentlichen Toiletten ist ebenfalls sehr hoch und wir haben in den seltensten Fällen verschmutzte vorgefunden, es gab sogar fast immer Toilettenpapier.

Margareth Mahy Family Playground in Christchurch

Abseits der ausgetretenen Pfade

Wobei wir im acht Wochen auch bei Weitem nicht alles gesehen haben und wir schon glauben, dass man im Backcountry bei Mehrtagestouren oder wenn man einfach mal noch weiter raus fährt in touristisch ganz unentdeckte Gebiete sicherlich noch ganz anderen Reizen ausgesetzt ist. Dafür braucht man zum einen aber ein Offroad-Fahrzeug oder zumindest etwas anderes als ein Wohnmobil, zum anderen ist man besser ohne Kind bedient, weil flexibler.
Was das Campen an sich angeht, gefällt uns jedenfalls Amerika sehr viel besser- man hat großzügigere Sites und kann diese auch als belegt markieren und sich dann samt Fahrzeug noch einmal entfernen, das geht hier nur in teuren Holiday Parks.

Unser Favorit: die Nordinsel

Insgesamt hat uns die Nordinsel sehr viel besser gefallen als die Südinsel. Wärmeres und stabileres Klima, daher unbedingt im Sommer herkommen, dann kann man die unzähligen wunderbaren langen Sandstrände besser genießen und neben einem Sonnenbad auch eines im Meer nehmen. Der Tourismus ist hier nicht ganz so stark wie auf der anderen Insel. Die DOC-Campsites sind schöner und größer. Rotorua bzw. die ganze schwefelige Vulkanlandschaft war für uns eines der Highlights, neben der Kauri-Coast mit ihren gigantischen Bäumen.Und die Koutu Boulders haben es mir persönlich sehr angetan.

Auf der Südinsel war unser absolutes Highligt Milford Sound und die Fjorde.

Gerne denken wir an die Wale und ich an den einen, einsamen Pinguin, den wir gesichtet haben, zurück. So froh waren wir, dass wir an unserem vorletzten Tag dann doch noch Ureinwohner Neuseeelands kennengelernt haben – die Kiwi-Vögel.

Erwähnen möchte ich auch unbedingt noch unsere schönen Zusammentreffen mit der Bonner und der Schweizer Familie. Wir haben uns sicherlich nicht zum letzten Mal gesehen. Darüberhinaus haben wir noch viele andere Reisende (Familien) mit ihren interessanten Geschichten kennengelernt. 

Dem Krümel hat im Übrigen das Wohnmobilfahren an sich am allerbesten gefallen, sagt er.

Koutu Boulders bei Hokianga

Goodbye Newzealand!

Für uns wird es wohl das einzige und letzte Mal Neuseeland gewesen sein. Wir bedauern ein bisschen, dass wir nicht schon Jahre früher hergekommen sind, da hätten wir ein noch natürlicheres und für Camper offeneres Land vorgefunden. Mittlerweile herrscht hier vielerorts Overtourism, es gibt viele Verbote, die so mancher (junger) Camper selbst zu verantworten hat (s. auch meinen Artikel über das Freedomcamping  in Neuseeland). Das Wildcampen, wie man es vielleicht mit dem Land der langen weißen Wolke verbindet, gibt es nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt. Wir hoffen und appellieren an alle Camper, die nach uns kommen: bitte geht respektvoll und verantwortlich mit Land und Leuten um.

Danke Neuseeland für die schöne Zeit!

Kruemel

Kommentare

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  • Das ist ein sehr versöhnliches Fazit – mir gefällt am besten der Vergleich mit dem Reisenden, der nur einmal im Leben verreisen darf und in Neuseeland alles vorfindet. Das ist natürlich stark vereinfacht und viele werden das heftig bestreiten, ich finde es aber trotzdem nett 😉

    Euren Erfahrungen kann ich in vielen Punkten zustimmen. In meinem Herzen (und zum Glück auch in denen meiner Familie) hat Neuseeland nach der nunmehr dritten Reise trotzdem einen festen Platz und wird ganz bestimmt noch sehr oft von uns besucht werden ♥

    Liebe Grüße von Jenny

  • Find es super das du ein Fazit geschrieben hast. Freunde von mir waren vorletztes Jahr da und haben ähnliches berichtet.
    Beim Bild deiner Wanderschuhe musste ich schmunzeln – ich hab die selben;)

  • irgendwie wollt ich mich nach Eurem Fazit auch noch mal äussern, aber genau genommen ist alles was mir dazu im Kopf herumgeht bereits von Jenny auf den Punkt gebracht worden.
    Danke, dass ihr uns an Euren Reiseerlebnissen habt teilnehmen lassen. Und danke für die vielen persönlichen Meinungen und Einschätzungen – immer offen und ehrlich – und nicht wie in vielen anderen Berichten alles nur rosarot und supertoll. Mein persönliches Fazit zu NZ nach meinen 4 Neuseelandtouren fällt insgesamt etwas positiver aus – ich würde nochmal hin …. und lande damit genau beim letzten Satz von Jennys Kommentierung.