Krümel's grosse Reise

Pottwale, Albatrosse und Robben in Kaikoura

Whale watching

Wir haben die 9.30 Uhr Tour bei Whale Watch Kaikoura gebucht und haben das herrlichste Wetter. Die See ist nach eher stürmischen Tagen dabei sich wieder zu beruhigen, sagt man uns. Das wiederum beruhigt mich. Die Katamaran-Fahrt soll nicht ohne sein…

Seabands sind angelegt und Pillen gegen Reiseübelkeit eingeworfen – Marc habe ich auch mit welchen versorgt.  Es kann losgehen. Zunächst gibt es eine kurze Sicherheitsunterweisung. Es gibt eine Geld-zurück-Garantie. Man bekommt 80% des Preises zurück, wenn man keine Wale zu Gesicht bekommt. Bei Reiseübelkeit gibt es jedoch nichts zurück. Das gehört dazu. Merle und der Krümel wollen bereits auf der kurzen Bustour zum Hafen nebeneinander sitzen und erzählen sich ununterbrochen etwas. Wie vertraut sie miteinander sind, als würden sie sich ewig kennen, dabei haben sie sich in Deutschland erst einmal zuvor gesehen…

Die Fahrt beginnt. Der Katamaran nimmt ziemlich schnell Fahrt auf und brettert über die Wellen, dass es nur so spritzt. Es hat etwas von Achterbahnfahren, wenn wir in so ein „Wellenloch“ fallen. Die erste Mitreisende braucht schon ihre Spucktüte. Alle, die so aussehen, als wäre ihnen übel, werden übrigens reizend vom Schiffspersonal umsorgt. Die Crew ist erfahren und echt gut drauf.  Sie kennen die Wale und ihre Plätze bereits und hören nach dem Sonar der Tiere, um diese ausfindig zu machen. Haben sie einen gesichtet, wird der Motor ausgestellt und in respektvollem Abstand gehalten. Es gibt die Regel, dass nicht mehr als drei Schiffe um einen Wal herum sein dürfen. Die meiste Zeit über sind wir bis auf einen Hubschrauber über uns sogar alleine. Das alles gefällt uns sehr gut.
Und dann sehen wir den ersten Wal. Ein riesiger Koloss liegt da vor uns im Wasser. Ein Pottwal. Er ruht sich einige Minuten an der Wasseroberfläche aus, wobei wir nur das obere Stück von ihm zu sehen bekommen und seine wahre Größe nur erahnen können. Regelmäßig pustet er eine Wasserfontäne in die Luft. Dann sehen wir, wie er elegant seine Schwanzflosse  über Wasser schwingt, bevor er wieder in die Tiefe abtaucht. Und dieses wahnsinnige Schauspiel dürfen wir noch bei vier weiteren Tieren seiner Art erleben. Wir haben wirklich großes Glück heute. Es ist wahnsinnig beeindruckend. Und entschädigt auch für das unschöne Geschaukel auf dem Meer. Mir ist mittlerweile trotz aller Vorkehrungen auch latent übel und dem Krümel ist wohl auch etwas unwohl, auch wenn er es nicht zugeben möchte. Wir sehen zu, dass wir uns draußen an der frischen  Luft aufhalten und unseren Blick auf den Horizont richten. Das hilft. Die Spucktüten hat zumindest von uns dreien niemand gebraucht. Froh sind wir trotzdem als wir nach zwei Stunden wieder festen Boden unter den Füßen haben. Zuvor bekommen wir aber noch weitere großartige Tiere nahe zu Gesicht. Und zwar landen zwei Albatrosse in Nähe des Schiffes und lassen sich von den Wellen schaukeln. Sehr beeindruckend diese Riesenmöwen.


Das war ein voller Erfolg und ist unbedingt jedem Neuseeland-Reisenden zu empfehlen.

Das ist Neuseeland

Neuseeland, für uns Europäer am anderen Ende der Welt, ist für viele ein Traum. Für uns auch, klar, sonst hätten wir es nicht zum Mittelpunkt unserer Reise gemacht. Wir haben Neuseeland- Literatur verschlungen und waren danach schon ganz verliebt. Und dann sind wir angekommen und waren die ersten Tage (Christchurch ausgenommen) erst einmal ernüchtert. Dafür sind wir den ganzen Weg hergekommen? Dafür, dass es sich nicht großartig von Kanada unterscheidet? (Kanada hat uns sehr gut gefallen, nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht). Wo sind die Postkartenmotive? Vielleicht waren wir an den falschen Stellen, vielleicht hatte ich zu viel in Jenny Menzels Reiseführern „Neuseeland – abseits der ausgetretenen Pfade“ geschmökert…??  Natürlich haben wir schöne Orte gesehen und vor allem traumhafte, einsame Campingmöglichkeiten entdeckt, aber der Wow-Effekt blieb zunächst aus. Dann kam der Weg von Hanmer Springs nach Kaikoura und spätestens am Campingplatz Peketa Beach hatte es mich dann erwischt. Die Berge, die unendlichen Wiesen und Weiden, die Küste, die Wolkenmassen, das Meer, die unbewirtschafteten Strände und dazu dieses unglaubliche Licht! 

Auf nach Blenheim

Nach der Tour müssen wir Merle und den Krümel kurzzeitig voneinander trennen, für eine Nacht. Wir müssen zur Werkstatt,  unser Abwasserhahn ist undicht und verliert eine Menge Wasser. Der Mechaniker ist gut drauf, wie übrigens die meisten Kiwis und hält ein munteres Pläuschchen mit uns, während er halb unterm Camper liegt und schraubt.


Nach einem Supermarktbesuch (unsere Favoriten sind Countdown und New World und die unbedingt mit Kundenkarten nutzen, das lohnt sich wirklich!) verlassen wir Kaikoura. Wir wollen nach Blenheim, dort soll es einen schönen freien Campingplatz direkt am Meer geben. Beim Verlassen der Stadt entlang der Küstenstraße passieren wir eine lange Baustelle, kurz davor weist ein Schild auf „seals“ die nächsten 4 km hin. Ich denke noch „ach, hier im Baulärm werden sich wohl keine Robben aufhalten“ und da kommen sie! Massenweise liegen die dunklen Tiere am Meer auf den Steinen in der Sonne. Wow! Es hört gar nicht mehr auf! Zu schade, dass wir hier nirgendwo anhalten können und ich zudem für gute Fotos auf der falschen Seite sitze.


Es sieht aus als würden wir direkt durchs Auenland fahren. Und immer vorbei an Kuh-und Schafweiden. Eine Schafherde scheint gerade geschoren worden zu sein, ganz „nackig“ laufen die Wollköpfe herum. Dann geht es über ins Weinbaugebiet, durch Blenheim und dann etwa 8 km weiter schaukeln wir noch über eine Schotterpiste und sind an unserer Schlafstelle für heute angekommen. Hier geht der Wairau Diversion ins Meer über, neben einem unbewirtschafteten  Strand unter Bäumen kann man hier frei campieren, und hier sind auch schon eine handvoll Campervans. Wir sind die einzigen mit Wohnmobil. So ein schöner Platz! Nach dem Abendessen im Freien wandern wir am Strand entlang, der Krümel sammelt Treibgut und hat seine Freude daran Äste und Muscheln ins Meer zurück zu werfen.  Er hüpft so frei, unbefangen und zufrieden durch die Gegend, gar nicht zu glauben, dass er die letzten Tage immer mal wieder sagte er würde lieber nach Hause zu seinen Freunden. Das ist immer ein Satz und danach merkt man absolut nichts von Heimweh, wenn es welches sein sollte.


Wir haben jetzt Halbzeit. Kaum zu glauben, wir sind seit zwei Monaten unterwegs und haben noch einmal genauso viel Zeit vor uns. Das ist so großartig! Für uns Eltern könnte es immer so weiter gehen, gerade jetzt, wo wir „angekommen“ sind in Neuseeland. Ich persönlich bin, seitdem wir in Neuseeland sind, noch mehr zur Ruhe gekommen. Der Krümel-Papa meint, die Zeit im Camper würde noch schneller verstreichen als die in Asien.

Habt ihr auch schon einmal einen Wal aus nächster Nähe gesehen?

Kruemel

Kommentare

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  • Hey ihr Lieben
    Auf Costa Rica haben wir das Glück gehabt die imposant durchs Wasser gleitenden Wale zu sehen ..Und auch wenn unser Boot den gebührenden Abstand zum Schutz der Tiere einhalten musste , war es immer noch ein toller Moment.
    Lg

  • Wieder einmal sehr tolle Einträge und wunderschöne Bilder! Man wird dadurch selbst total vom „Neuseeland-Fieber“ gepackt! Schreibt weiterhin so schön und fesselnd, man freut sich direkt auf den nächsten Eintrag. Genießt die zweite Hälfte eurer Reise! 🙂

  • Argh! Jetzt hat es mich voll erwischt. Das sind ja so tolle Bilder, dass mein Fernweh gleich voll entfacht ist. Wale zu sehen ist wirklich ein ganz besonderes Erlebnis. Ich habe mal die bösen Orcas vor der Küste Argentiniens aus nächster Nähe gesehen, und in Südafrika vor zwei Jahren eine Buckelwal-Mama mit Baby aus der Ferne. Das sind Erlebnisse, die echt unter die Haut gehen und unvergesslich bleiben.
    Liebe Grüße
    Angela

  • Ich beziehe mich nur auf den kleinen Abschnitt „Das ist Neuseeland“: Schade das der (erhoffte) WOW-Effekt bei Euch ausbleibt, hoffe ihr habt trotzden viel Freude an der Rundreise, die ja noch lange nicht zu Ende ist. Ich hatte diesen WOW-Effekt zumindest bei meiner ersten Tour (war inzwischen vier mal dort), Damals bin ich allerdings als Student ohne große Vorbereitung / Recherche hingeflogen – neben Schlafsack und Zelt nur den „Lonely Planet“ im Rucksack. Mit einem Kind geht man sowas logischerweise anders an, aber der fehlende WOW-Effekt hat sicher auch eine Ursache darin, dass man heutzutage durch die Vorab-Recherche von Dutzenden Reiseführen und Webseiten mit Hochglanzfotos bei besten Wetterbedingungen und blumigen Schilderungen ein recht hohe Erwartungshaltung mit im Gepäck hat. Man muss sich Zeit nehmen für dieses Land (wenn man sie hat) . Beim ersten Mal hatte ich neun Wochen – das war mir zu wenig, inzwischen sind bei mehreren Reisen viereinhalb Monate zusammengekommen. Ich bin halt Naturfreak und mag einfach die Menschen dort. Auf den Touri-Rummel in Queenstown, Kaikura, Rotorua usw. kann ich allerdings auch gerne mal verzichten. Aber die Geschmäcker sind sehr unterschiedlich – zum Glück! Ich kenne soviele, die NZ in erster Linie über die Südinsel definieren, ich dagegen mag die Nordinsel (besonders den hohen Norden) mindestens genauso, wenn nicht sogar etwas mehr, da sie aus meiner Sicht deutlich vielfältiger ist – aber ist Geschmacksache. Ich wünsche Euch, dass noch der eine oder andere kleine WOW-Effekt auf Eurer Reise kommt.

    liebe Grüße aus Dortmund, Thomas

    PS: zum stöbern und vielleicht Ideen holen:
    https://fototaucher.jimdo.com/

  • Hach, ich freu mich, dass euch mein Lieblingsland gefällt! Konntet ihr schon ein paar von meinen Tipps anschauen? Ich freue mich immer über Feedback!

    (Und übrigens, in meinem Wohnmobil-Ratgeber hättet ihr den Tipp gefunden, immer im Uhrzeigersinn um die Inseln zu fahren – dann sitzt nämlich der Beifahrer auf der Fahrzeugseite, die zum Meer zeigt 😉 )

    Liebe Grüße
    Jenny

    • Hallo Jenny,
      natürlich haben wir deinen Reiseführer gelesen und natürlich weiß ich, das andersherum besser wäre. Das hätte dann aber nicht mit der Tour unserer Bonner Freunde zusammengepasst. Auf der Nordinsel werden wir das beherzigen.